07.09.2026
Mineralwasser mit viel Magnesium und Calcium: Worauf es wirklich ankommt
Auf jeder Mineralwasserflasche steht ein Analysenauszug. Dort ist genau aufgeführt, wie viel Magnesium, Calcium und andere Mineralstoffe im Wasser stecken. Gelesen wird dieser Kasten praktisch nie. Dabei ist er der einzige verlässliche Weg herauszufinden, ob ein Mineralwasser mit viel Magnesium und Calcium tatsächlich hält, was die Werbung verspricht. Pat Eckert, zertifizierter Wassersommelier, zeigt in diesem Beitrag, welche Zahlen zählen, ab wann ein Wasser als mineralreich gilt und wie viel es realistisch zur täglichen Versorgung beiträgt.
Von: Patrick Eckert
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Mineralwasser darf sich calciumhaltig nennen, wenn es mehr als 150 mg Calcium pro Liter enthält.
- Als magnesiumhaltig gilt ein Wasser ab mehr als 50 mg Magnesium pro Liter.
- Die DGE nennt für Erwachsene 1.000 mg Calcium pro Tag sowie 350 mg Magnesium für Männer und 300 mg für Frauen.
- Ein stark mineralisiertes Wasser kann damit einen spürbaren Anteil des Tagesbedarfs abdecken.
- Die Werte stehen auf jedem Etikett im Analysenauszug und sind die einzige verlässliche Auskunft.
Warum Magnesium und Calcium im Mineralwasser zählen
Beide Mineralstoffe gehören zu den Mengenelementen, von denen der Körper vergleichsweise große Mengen braucht. Calcium ist mengenmäßig der wichtigste Mineralstoff im menschlichen Körper. Fast das gesamte Calcium steckt in Knochen und Zähnen, es ist aber auch an der Blutgerinnung, an der Stabilisierung von Zellwänden und an der Weiterleitung von Reizen im Nervensystem beteiligt. Magnesium wiederum aktiviert zahlreiche Enzyme des Energiestoffwechsels und wirkt regulierend auf Reizübertragung, Muskelkontraktion, Herzrhythmus und Blutdruck.
Der Punkt, an dem Mineralwasser ins Spiel kommt, ist einfach: Diese Stoffe müssen täglich zugeführt werden, und Wasser ist neben der festen Nahrung eine der beiden Quellen. Der Großteil der Versorgung stammt aus dem Essen, das steht außer Frage. Aber ein Mineralwasser mit viel Magnesium und Calcium liefert eine Menge, die sich nicht wegdiskutieren lässt, und es tut das nebenbei, ohne dass jemand seine Ernährung umstellen müsste.
Wer bereits die Wasserhärte seines Leitungswassers kennt, hat übrigens schon einen Teil der Antwort. Calcium und Magnesium sind genau die Stoffe, die ein Wasser hart machen. Mineralreich und hart bedeuten in diesem Zusammenhang im Kern dasselbe, nur dass der eine Begriff aus der Ernährung und der andere aus dem Haushalt stammt.
Ab wann gilt ein Mineralwasser als calciumhaltig oder magnesiumhaltig?
Diese Frage ist in Deutschland gesetzlich geregelt, und zwar in der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung. Ein natürliches Mineralwasser darf sich calciumhaltig nennen, wenn es mehr als 150 mg Calcium pro Liter enthält. Für die Auslobung magnesiumhaltig liegt die Schwelle bei mehr als 50 mg Magnesium pro Liter.
Diese beiden Zahlen sind der eigentliche Maßstab, an dem sich alles messen lässt. Steht auf der Flasche calciumhaltig, sind mindestens 150 mg drin. Steht es nicht drauf, lohnt trotzdem ein Blick in den Analysenauszug, denn nicht jeder Abfüller nutzt die Auslobung, obwohl er dürfte.
Nach oben ist viel Luft. Stark mineralisierte Wässer erreichen Calciumwerte von mehreren hundert Milligramm pro Liter und Magnesiumwerte weit jenseits der 100 mg. Ein Mineralwasser mit viel Magnesium und Calcium ist damit nicht knapp über der gesetzlichen Schwelle, sondern deutlich darüber, und genau dort wird der Beitrag zur Versorgung interessant.
Wie viel deckt Mineralwasser vom Tagesbedarf ab?
Um die Werte einordnen zu können, braucht es einen Bezugspunkt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene eine empfohlene Calciumzufuhr von 1.000 mg pro Tag. Beim Magnesium arbeitet die DGE mit Schätzwerten statt mit Empfehlungen, weil die Datenlage dünner ist. Für Erwachsene ab 19 Jahren liegen diese bei 350 mg pro Tag für Männer und 300 mg pro Tag für Frauen.
Jetzt wird die Rechnung anschaulich. Wer täglich anderthalb Liter eines Wassers trinkt, das 400 mg Calcium pro Liter enthält, nimmt darüber 600 mg Calcium auf, also gut die Hälfte des Referenzwerts. Bei einem Wasser mit 100 mg Magnesium pro Liter kommen aus derselben Menge 150 mg Magnesium zusammen, das ist rund die Hälfte des Schätzwerts für Frauen. Solche Werte sind bei stark mineralisierten Wässern durchaus realistisch.
Zum Vergleich: Ein sehr leichtes Quellwasser mit 15 mg Calcium und 5 mg Magnesium pro Liter trägt bei derselben Trinkmenge nur gut 20 mg Calcium und 8 mg Magnesium bei. Beide Flaschen sehen im Regal gleich aus. Der Unterschied steht ausschließlich im Analysenauszug.
Wie Du das Etikett richtig liest
Der Analysenauszug steht auf jeder Flasche natürlichen Mineralwassers, meist klein gedruckt auf der Rückseite. Aufgeführt sind die Kationen und Anionen in Milligramm pro Liter. Für die meisten Menschen sind vier Zeilen relevant.
Calcium und Magnesium sind die beiden, um die es hier geht. Natrium ist die dritte wichtige Zeile, vor allem für Menschen, die ihre Kochsalzzufuhr im Blick behalten wollen. Als natriumarm gilt ein Wasser unter 20 mg Natrium pro Liter, und dieselbe Grenze ist auch das Kriterium für die Eignung zur Zubereitung von Säuglingsnahrung. Die vierte Zeile ist die Gesamtmineralisation, also die Summe aller gelösten Stoffe. Sie sagt für sich genommen wenig darüber aus, welche Mineralien enthalten sind, gibt aber einen schnellen Eindruck davon, ob es sich um ein leichtes oder ein kräftiges Wasser handelt.
Ein Detail, das oft übersehen wird: Ein hoher Gesamtwert bedeutet nicht automatisch viel Calcium und Magnesium. Manche Wässer erreichen ihre Mineralisation überwiegend über Natrium, Chlorid oder Hydrogencarbonat. Wer gezielt ein Mineralwasser mit viel Magnesium und Calcium sucht, muss deshalb die einzelnen Zeilen anschauen und nicht nur die Summe.
Welches Mineralwasser hat viel Kalium?
Kalium wird bei dieser Frage regelmäßig mitgenannt, verhält sich aber anders als Calcium und Magnesium. Es ist wichtig für zahlreiche enzymatische Reaktionen und für den Flüssigkeitshaushalt, kommt in Mineralwässern aber meist nur in kleinen Mengen vor. Werte im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Milligrammbereich pro Liter sind typisch.
Das bedeutet: Mineralwasser ist keine relevante Kaliumquelle. Wer seinen Kaliumhaushalt über die Ernährung beeinflussen möchte, kommt über Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte deutlich weiter. Bei einigen Mineralwässern ist Kalium im Analysenauszug gar nicht ausgewiesen, was in der Regel bedeutet, dass der Gehalt vernachlässigbar ist.
Umgekehrt gibt es Menschen, für die ein niedriger Kaliumgehalt wichtig ist, etwa bei eingeschränkter Nierenfunktion. In diesem Fall lohnt der Blick auf den Analysenauszug ebenso, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Wer aus gesundheitlichen Gründen auf bestimmte Mineralstoffe achten muss, sollte das grundsätzlich ärztlich abklären lassen und nicht allein nach dem Etikett entscheiden.
Was ein Wassersommelier bei der Auswahl beachtet
Bis hierhin ging es um Zahlen. Für Pat Eckert ist das nur die eine Hälfte. Die andere ist der Geschmack, und der hängt mit den Mineralwerten unmittelbar zusammen.
Ein Mineralwasser mit viel Magnesium und Calcium schmeckt anders. Es wirkt voller, runder, hat mehr Körper im Mund und einen längeren Nachklang. Manche Menschen empfinden hohe Calciumwerte als leicht kreidig, hohe Magnesiumwerte können eine dezent bittere Note tragen. Das ist kein Mangel, sondern Charakter, und es entscheidet darüber, zu welchem Anlass und zu welchem Essen ein Wasser passt.
Deshalb lautet die Empfehlung nicht, immer zum mineralreichsten Wasser zu greifen. Sie lautet, bewusst auszuwählen. Ein kräftiges Wasser zum Frühstück und zu deftigen Gerichten, ein leichteres zu delikaten Speisen und am Abend. Wer den Unterschied einmal im direkten Vergleich erlebt, trifft diese Entscheidung danach von selbst. Genau dafür ist ein Wassertasting mit Pat Eckert gemacht: Etikettenwissen wird dort zu etwas, das man schmeckt.
Über den Autor:
Pat Eckert
Zertifizierter Wassersommelier
Pat Eckert | Water Disruptor | Redefining the Geometry of Water
Gründer von Fine Liquids. Buchautor. Jury-Mitglied und Co-Host bei den renommiertesten internationalen Fine Water Awards. Gastredner auf Fachkongressen, in Luxushotels und TV-Formaten weltweit.
Häufige Fragen zu Mineralwasser mit Magnesium und Calcium
Ab welchen Werten gilt ein Mineralwasser als calciumhaltig oder magnesiumhaltig?
Nach der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung darf ein natürliches Mineralwasser als calciumhaltig bezeichnet werden, wenn es mehr als 150 mg Calcium pro Liter enthält. Für magnesiumhaltig liegt die Schwelle bei mehr als 50 mg Magnesium pro Liter. Beide Werte stehen im Analysenauszug auf dem Etikett.
Wie viel Magnesium sollte Mineralwasser haben?
Eine allgemeingültige Zielzahl gibt es nicht, weil der Bedarf über Nahrung und Wasser zusammen gedeckt wird. Als Orientierung: Ab 50 mg pro Liter gilt ein Wasser als magnesiumhaltig, und stark mineralisierte Wässer erreichen deutlich höhere Werte. Bei einer Trinkmenge von anderthalb Litern täglich kann ein Wasser mit 100 mg pro Liter rund die Hälfte des DGE-Schätzwerts für Frauen beitragen.
Kann ich meinen Calciumbedarf über Mineralwasser decken?
Vollständig nicht, aber zu einem relevanten Anteil. Die DGE nennt für Erwachsene 1.000 mg Calcium pro Tag. Ein calciumreiches Mineralwasser kann davon je nach Gehalt und Trinkmenge einen guten Teil beisteuern. Der Hauptanteil stammt weiterhin aus fester Nahrung, insbesondere aus Milchprodukten sowie calciumreichen Gemüsearten.
Welches Mineralwasser hat viel Kalium?
Kalium kommt in Mineralwässern in der Regel nur in geringen Mengen vor, meist im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Milligrammbereich pro Liter. Als nennenswerte Kaliumquelle eignet sich Mineralwasser deshalb nicht. Wer gezielt Kalium aufnehmen möchte, ist mit Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten besser bedient.
Schmeckt mineralreiches Wasser anders als mineralarmes?
Ja, und zwar deutlich. Ein Mineralwasser mit viel Magnesium und Calcium wirkt voller und runder mit längerem Nachklang, während ein mineralarmes Wasser leicht und fast neutral erscheint. Hohe Calciumwerte können dabei leicht kreidig wirken, hohe Magnesiumwerte eine dezent bittere Note tragen. Beides ist Charakter, kein Fehler.