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08.10.2026

Ist Kohlensäure ungesund? Was Studien über Sprudelwasser zeigen

Kaum ein Getränk hat einen so zwiespältigen Ruf wie Sprudelwasser. Die einen trinken es literweise, die anderen meiden es, weil sie gehört haben, es greife die Zähne an, belaste den Magen oder schwäche sogar die Knochen. Ist Kohlensäure ungesund, oder hält sich hier ein Mythos besonders hartnäckig? Pat Eckert, zertifizierter Wassersommelier, hat sich angesehen, was Studien zu den drei häufigsten Sorgen tatsächlich zeigen, und erklärt, für wen stilles Wasser trotzdem die bessere Wahl sein kann.
Von: Patrick Eckert
Wasser wird in ein Glas mit bunten Lichtreflexen und Luftblasen vor schwarzem Hintergrund gegossen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für gesunde Erwachsene gibt die Studienlage keinen Anlass, Sprudelwasser zu meiden.
  • Im Labor löste Sprudelwasser nur sehr wenig Zahnschmelz, etwa hundertmal weniger als Softdrinks.
  • In einer großen Studie zur Knochendichte fiel nur Cola auf, andere Getränke mit Kohlensäure nicht.
  • Wer zu Sodbrennen neigt, kann empfindlich reagieren, bei Verdauungsbeschwerden zeigte Sprudel in einer kleinen Studie sogar Vorteile.
  • Still oder sprudelnd ist vor allem eine Frage von Verträglichkeit und Geschmack.

Ist Kohlensäure ungesund oder nur schlecht beleumundet?

Für gesunde Erwachsene ist Kohlensäure im Mineralwasser nach dem bisherigen Stand der Forschung nicht schädlich. Die gängigen Vorwürfe betreffen Zähne, Magen und Knochen. Zu allen drei gibt es Untersuchungen, und keine davon belegt einen relevanten Schaden durch reines Sprudelwasser. Auffällig wurden in Studien vor allem Getränke, die neben Kohlensäure noch andere Inhaltsstoffe mitbringen.
Kohlensäure ist im Wasser gelöstes Kohlendioxid. Ein kleiner Teil davon reagiert mit dem Wasser zu echter Kohlensäure, der größte Teil bleibt als Gas gelöst und entweicht als Perlen, sobald die Flasche offen ist. Dabei sinkt der pH Wert des Wassers leicht. Genau daraus speist sich der Verdacht: Wo Säure im Namen steht, vermuten viele einen Angriff auf den Körper.
Das erklärt auch, warum sich die Frage, warum Kohlensäure ungesund sein soll, so hartnäckig hält. Im Alltag wird Sprudelwasser oft in einen Topf mit Limonade, Cola und Energydrinks geworfen. Diese Getränke enthalten aber Zucker, Fruchtsäuren oder Phosphorsäure, und genau diese Zutaten tauchen in den Studien als Problem auf. Wer die Kohlensäure isoliert betrachtet, kommt zu einem deutlich entspannteren Ergebnis, wie die folgenden Abschnitte zeigen.

Ist Kohlensäure schlecht für die Zähne?

Nach bisheriger Datenlage schadet Kohlensäure den Zähnen kaum. In einer Laborstudie zu Mineralwässern und Zahnerosion lösten alle getesteten Mineralwässer nur sehr geringe Mengen Zahnschmelz. Sprudelwässer lagen etwas über stillen Wässern, aber etwa hundertmal unter den zum Vergleich getesteten Softdrinks.
Besonders aufschlussreich ist ein Detail aus derselben Untersuchung. Als die Forschenden einem Sprudelwasser die Kohlensäure entzogen, sank die gelöste Menge zwar, blieb aber auch vorher schon niedrig. Die Autoren folgern daraus, dass die Kohlensäure an sich vermutlich kein entscheidender Faktor für Zahnerosion ist. Sie halten es sogar für möglich, dass die gelösten Mineralien im Wasser den Prozess an der Zahnoberfläche günstig beeinflussen.
Einschränkend gilt: Untersucht wurden extrahierte Zähne im Labor, nicht Zähne im Mund. Ganz ohne Wirkung auf den Zahnschmelz ist Mineralwasser also nicht, sie ist nur sehr klein. Für die Zahngesundheit ist die Frage, ob Limonade oder Wasser im Glas landet, um ein Vielfaches wichtiger als die Frage, ob das Wasser perlt. Wer Softdrinks durch Sprudelwasser ersetzt, tut seinen Zähnen nach dieser Studie einen Gefallen.

Was Kohlensäure im Magen bewirkt

Im Magen wirkt Kohlensäure zweischneidig. Das Gas dehnt den Magen und wird zum Teil als Aufstoßen wieder abgegeben, was für die meisten Menschen harmlos ist. Wer zu Sodbrennen neigt, kann darauf empfindlich reagieren. Bei Verdauungsbeschwerden zeigte Sprudelwasser in einer kleinen Studie dagegen sogar spürbare Vorteile.
Zum Thema Sodbrennen fasst eine Studie in der Fachzeitschrift Gastrointestinal Disorders den Forschungsstand zusammen. Demnach können kohlensäurehaltige Getränke kurzfristig den pH Wert in der Speiseröhre senken und den Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre häufiger erschlaffen lassen. Ein klarer Zusammenhang mit Refluxbeschwerden ist laut einer dort zitierten systematischen Übersichtsarbeit aber nur begrenzt belegt.
Auf der anderen Seite steht eine doppelt verblindete Studie aus Italien. 21 Menschen mit funktionellen Magenbeschwerden und Verstopfung tranken entweder Sprudelwasser oder Leitungswasser. In der Sprudelgruppe gingen sowohl die Magenbeschwerden als auch die Verstopfung deutlich zurück, in der Leitungswassergruppe nicht. Bei 21 Teilnehmenden ist das ein Hinweis und kein Beweis. Es zeigt aber, dass Kohlensäure für den Magen nicht grundsätzlich ein Problem darstellt.
Praktisch heißt das: Wer nach Sprudel regelmäßig Druck oder Brennen hinter dem Brustbein spürt, fährt mit stillem oder sehr fein perlendem Wasser besser. Bei anhaltenden Beschwerden gehört die Frage ohnehin in ärztliche Hände.
Nahaufnahme von zahlreichen kleinen, transparenten Luftblasen in einer klaren Flüssigkeit.

Greift Kohlensäure die Knochen an?

Für reines Sprudelwasser gibt es dafür keinen Beleg. Der Verdacht stammt aus Untersuchungen zu Softdrinks. In der großen Framingham Osteoporosis Study war nur Cola mit einer geringeren Knochendichte verbunden, und auch das nur bei Frauen. Andere kohlensäurehaltige Getränke zeigten keinen solchen Zusammenhang.
Untersucht wurden 1413 Frauen und 1125 Männer, deren Knochendichte an Wirbelsäule und Hüfte gemessen wurde. Bei Frauen, die viel Cola tranken, lag sie an allen Messpunkten der Hüfte niedriger, an der Wirbelsäule nicht. Die Forschenden verweisen auf Inhaltsstoffe, die Cola von anderen Getränken unterscheiden, vor allem Phosphorsäure und Koffein.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die einen Zusammenhang zeigt und keine Ursache belegt. Und Mineralwasser wurde nicht gesondert ausgewertet. Da aber die übrigen Getränke mit Kohlensäure unauffällig blieben, spricht wenig dafür, dass das Gas selbst der Auslöser ist. Für die Knochen zählt beim Wasser eher, was drin ist: Ein Mineralwasser mit viel Magnesium und Calcium kann zur täglichen Versorgung beitragen, ganz gleich, ob es perlt oder still ist.

Ist stilles Wasser gesünder als Sprudelwasser?

Gesundheitlich sind stilles Wasser und Sprudelwasser für die meisten Menschen gleichwertig. Entscheidend ist, dass ausreichend getrunken wird und welche Mineralien das Wasser mitbringt. Kohlensäure macht ein Wasser weder gesünder noch ungesünder. Sie verändert vor allem, wie es schmeckt und sich im Mund anfühlt, und damit auch, wie gern man es trinkt.
Ist Sprudelwasser also gesund? Für die allermeisten ja, solange es gut vertragen wird. Stilles Wasser ist die bessere Wahl für Menschen, die zu Sodbrennen, Völlegefühl oder Blähungen neigen. Wer dagegen mehr trinkt, wenn es perlt, hat mit Sprudel einen echten Vorteil, denn ein Glas, das getrunken wird, ist mehr wert als eines, das stehen bleibt.
Für Pat Eckert beginnt hier der spannende Teil. Kohlensäure ist ein Geschmacksfaktor wie Mineralisierung oder Temperatur. Eine grobe, kräftige Perlage wirkt frisch und belebend, kann feine Aromen am Tisch aber überdecken. Eine feine, cremige Perlage begleitet ein Gericht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auch die Herkunft der Kohlensäure lässt sich nachlesen: Wie das Bayerische Landesamt für Umwelt erläutert, verrät das Etikett, ob ein Mineralwasser seine Quellkohlensäure mitbringt oder ob sie bei der Abfüllung zugesetzt wurde. Wie groß die Unterschiede zwischen zwei sprudelnden Wässern sein können, zeigt sich am schnellsten im direkten Vergleich, etwa bei einem Wassertasting mit Pat Eckert.

Über den Autor:

Pat Eckert
Zertifizierter Wassersommelier
Pat Eckert | Water Disruptor | Redefining the Geometry of Water
Gründer von Fine Liquids. Buchautor. Jury-Mitglied und Co-Host bei den renommiertesten internationalen Fine Water Awards. Gastredner auf Fachkongressen, in Luxushotels und TV-Formaten weltweit.

Häufige Fragen zu Kohlensäure im Wasser

Ist Wasser mit Kohlensäure ungesund, wenn man es den ganzen Tag trinkt?
Nein, nach heutigem Kenntnisstand nicht. Die Studien zu Zähnen, Magen und Knochen geben keinen Hinweis darauf, dass reines Sprudelwasser in üblichen Trinkmengen schadet. Eine Obergrenze speziell für Kohlensäure gibt es nicht. Wer allerdings merkt, dass der Magen auf viel Sprudel mit Druck oder Aufstoßen reagiert, kann über den Tag stilles und sprudelndes Wasser abwechseln.
Verliert Sprudelwasser nach dem Öffnen seine Mineralien?
Nein. Nach dem Öffnen entweicht nur das gelöste Kohlendioxid, die Mineralien bleiben im Wasser. Deshalb schmeckt ein abgestandenes Sprudelwasser flacher und manchmal etwas mineralischer, weil die Frische der Perlage fehlt. An Calcium, Magnesium oder Natrium ändert sich dabei nichts. Wer die Kohlensäure nicht verträgt, kann eine Flasche daher auch bewusst offen stehen lassen.
Ist Wasser aus dem Wassersprudler genauso gut wie Mineralwasser mit Kohlensäure?
Die Kohlensäure selbst ist dieselbe, nämlich gelöstes Kohlendioxid. Der Unterschied liegt im Wasser, das gesprudelt wird. Beim Wassersprudler ist das Leitungswasser, und dessen Mineralgehalt hängt vom Wohnort ab. Ein natürliches Mineralwasser bringt dagegen die Mineralisierung seiner Quelle mit, die auf dem Etikett im Analysenauszug steht.
Woran erkenne ich, ob die Kohlensäure aus der Quelle stammt?
Am Etikett. Natürliche Mineralwässer müssen angeben, woher ihre Kohlensäure kommt. "Natürliches kohlensäurehaltiges Mineralwasser" wird so abgefüllt, wie es aus der Quelle kommt. "Mit eigener Quellkohlensäure versetzt" bedeutet, dass Kohlensäure aus derselben Quelle nachträglich ergänzt wurde. Bei "mit Kohlensäure versetzt" stammt sie aus einer anderen Herkunft.

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